ARBEITNEHMER MIT STOFFWECHSELERKRANKUNGEN AM ARBEITSPLATZ

Unter Stoffwechselstörungen mit Gefäßerkrankungen (metabolisch-vaskulären Störungen) ist ein Bündel von Stoffwechselstörungen, meist basierend auf Übergewicht und Fehlernährung, zu verstehen, die ein hohes Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse wie Herzinfarkt und Schlaganfall aufweisen. Etwa die Hälfte aller männlichen Arbeitnehmer nach dem 55. Lebensjahr könnte lt. Studien unter metabolischvaskulären Störungen leiden. Dazu gehören:

  • Störungen des Glukosestoffwechsels (Kohlenhydrate) wie Hyperglykämie oder Diabetes.
  • Störungen des Fettstoffwechsels, wie Hypercholesterinämie und/oder Hypertriglyzeridämie
  • Störungen des Harnsäurestoffwechsels (Gicht)
  • Herz-Kreislaufstörungen wie erhöhter Blutdruck oder Bluthochdruck (Hypertonie).

Metabolisch-vaskuläre Störungen beruhen hauptsächlich auf einer Fehlernährung und wenig körperlicher Aktivität (was zu Übergewicht oder Fettleibigkeit führt).
Die meisten Menschen, die unter diesen Störungen bzw. Krankheiten leiden, scheinen monate- oder sogar jahrelang gesund zu sein. Symptome treten i.R. erst auf unter Stressbedingungen, z.B. nach längerem Fasten oder während einer fieberhaften Erkrankung. Deshalb werden die ärztlichen Diagnosen häufig erst in einem relativ fortgeschrittenen Stadium gestellt.
Es gibt viele Subtypen metabolisch-vaskulärer Störungen, die meist nicht einzeln auftreten, sondern als Bündel von Krankheitszuständen gleichzeitig (z.B. als sog. Metabolisch-Vaskuläres Syndrom), und die Symptome, Behandlungen und Prognosen variieren stark.

Fallbeispiel: Diabetes

Name: Alex
Alter: 34 Jahre
Job: Arbeiter in einer Plastikfabrik

Der Fall von Alex, der an Diabetes leidet

A few months ago, he was diagnosed with type 1 Diabetes. To manage his disease, he needs to follow a healthy diet, exercise regularly control his blood glucose levels and take medication insulin at certain times of the day, but sometimes he has no time to take food or follow his treatment properly.  It is problematic for him to stop working to measure his glycaemia and if he needs to stop to eat something or take a pill, he cannot just walk away from the assembly line. Working in shifts makes following a regular meal pattern difficult. He also feels uncomfortable about taking more time off work for medical appointments. His work on the assembly line of the factory requires standing for long hours at his place, without much movement and this situation is becoming rather difficult for him due to his health.

Alex disclosed his condition to his director and colleagues, but he feels as if they fail to truly understand what having a chronic disease like diabetes means.

Diabetes

1 Worum handelt es sich?

Diabetes ist eine Stoffwechselstörung, die auftritt, wenn die Bauchspeicheldrüse sehr wenig oder gar kein Insulin mehr produziert (sog. Typ-1-Diabetes) oder wenn der Körper nicht angemessen auf Insulin reagiert (sog. Typ-2-Diabetes). (Insulin ist ein Hormon, welches reguliert, wie und wieviel Glukose vom Körper in Energie umgewandelt wird). Infolgedessen ist der Blutzuckerspiegel höher als normal (Hyperglykämie). Hohe Blutzuckerspiegel gehen langfristig mit einer Schädigung bzw. dem Versagen verschiedener Organe einher.

Es gibt drei Haupttypen von Diabetes:

Typ-1-Diabetes: (jugendlicher Diabetes):

  • betrifft etwa 10% der Diabetiker
  • Tritt normalerweise in der Kindheit oder Jugend auf, kann jedoch Menschen jeden Alters betreffen
  • Die Bauchspeicheldrüse produziert kein Insulin mehr oder nur in sehr geringen Mengen
  • Es handelt sich um eine Autoimmunerkrankung (keine Überernährung, keine Fettleibigkeit)

Typ-2-Diabetes: (nicht insulinabhängiger Diabetes):

  • ist die häufigste Form von Diabetes (etwa 90% der Fälle)
  • Typischerweise manifestiert sich die Krankheit nach dem 30. bis 40. Lebensjahr
  • • Besonders initial produziert die Bauchspeicheldrüse noch Insulin, aber die Zellen des Organismus können es nicht nutzen
  • Risikofaktoren: Diabetes in der Familie, Bewegungsmangel, Über- oder Fehlernährung, Übergewicht bzw. Fettleibigkeit, Fettstoffwechselstörungen, erhöhter Blutdruck
  • • Etwa 80% der Menschen mit Typ-2-Diabetes leiden an mehreren metabolisch-vaskulären Erkrankungen (sie sind multimorbid und leiden an einem sog. MetabolischVaskulären Syndrom)
  • Zu den Behandlungsoptionen gehören gesunde Ernährung und körperliche Aktivität, Medikamente in Tabletten- oder Injektionsform sowie Insulininjektionen.

Schwangerschaftsdiabetes:

  • tritt bei rund 4(-10)% der Schwangerschaften auf
  • während der Schwangerschaft fällt zum ersten Mal ein hoher Blutzuckerspiegel auf
  • verschwindet normalerweise nach der Entbindung, aber Frauen und ihre Kinder haben ein erhöhtes Risiko, im späteren Leben an Typ-2-Diabetes zu erkranken.

2 Symptome

Die Symptomatik bei Krankheitsausbruch hängt vom Diabetes-Typ ab.

Typ 1: I.d.R. ein hoch-akuter Krankheitsbeginn, häufig im Zusammenhang mit einer fieberhaften Episode, mit starkem Durst, erhöhter Urinmenge (Polyurie), Müdigkeit/Energie-defizit, plötzlichem Gewichtsverlust, trockener Haut, verschwommenem Sehen sowie häufigen Infektionen.

Typ 2: Die Symptomatik ist weniger typisch und erlaubt
i.d.R. keine schnelle Diagnose. Die Hyperglykämie entwickelt sich allmählich, häufig ohne typische klinische Anzeichen. Selbst wenn die Symptome gering ausgeprägt oder gar nicht vorhanden sind, besteht häufig das Risiko, Komplikationen zu entwickeln, die unbedingt vermieden werden müssen. Diese sind:

Akute Komplikationen:

  • Hypoglykämischer Schock mit Bewusstseinstrübung
    oder Bewusstlosigkeit aufgrund zu niedriger Blutzuckerspiegel (vorwiegend bei insulinspritzenden Diabetikern).
    Sofortige medizinische Hilfe (Traubenzucker bei Ansprechbarkeit, Glukagon s.c. bei Bewusstlosigkeit) erforderlich!
  • Diabetische Ketoazidose: schwere Stoffwechselentgleisung durch Insulindefizit mit hohen Blutzuckerspiegeln und Übersäuerung, schwerer metabolischer
    Notfall, vorwiegend bei Typ-1-Diabetes, häufig bei Erkrankungsbeginn. Zu den Symptomen gehören Übelkeit
    und Erbrechen, übermäßiger Durst, Müdigkeit, Atemnot,
    Verwirrung und fruchtig riechender Atem (Azetonfötor).
    Notarzt erforderlich!

Chronische Komplikationen: mehr oder weniger schwere Schädigungen der Nerven (Neuropathie) und/oder Arterien (Vaskulopathie), die zu diabetischem Fußgeschwür führen können, Schädigungen der Augen (Retinopathie), der Nieren (Nephropathie) und des Herzens (der Herzkranzgefäße), aber auch anderer Organe. Herz-Kreislauf-Erkrankungen bis zum Herzinfarkt sind eine Folge eines schlecht eingestellten Diabetes.

3 Behandlungen

Um akute und chronische Komplikationen zu vermeiden, ist ein gesunder Lebensstil mit ausgewogener Ernährung und körperlicher Aktivität notwendig sowie regelmäßige Arztbesuche zur Kontrolle und Vorbeugung.

Empfohlene Therapiestrategien sind:

  • Klinische und Laboruntersuchungen sowie therapeutische Aufklärung: Menschen mit Diabetes müssen regelmäßig ihren Blutzucker messen, vor allem vor dem Insulin spritzen (wie von ihrem behandelnden Arzt angeordnet), sowie sich n Labortests und klinischen Untersuchungen unterziehen, um das Ausmaß der Stoffwechselstörungen und Gefäßerkrankungen (metabolisch-vaskuläre Störungen) erkennen und effektiv behandeln zu können.
  • Ernährung: Ernährungsempfehlungen für Personen mit Typ-2-Diabetes stimmen weitestgehend mit den allgemeinen Empfehlungen für eine gesunde Ernährung überein, mit besonderem Augenmerk auf die Kalorienzufuhr, um Übergewicht zu bekämpfen.
  • Nicht-Rauchen und Einschränkung des Alkoholkonsums: Rauchen ist über das hohe Lungenkrebsrisiko hinaus besonders für Menschen mit Diabetes extrem schädlich (Herzinfarktrisiko!). Daher sollte eine Raucher-entwöhnung immer unterstützt werden.
    Alkohol enthält viel Energie und kann die Blutzucker- und Gewichtskontrolle erschweren sowie zu Unterzuckerung bei Typ-1-Diabetes führen. Daher ist es empfehlenswert, den Alkoholkonsum zu begrenzen.
  • Körperliche Aktivität: Regelmäßige körperliche Bewegung verbessert die Blutzuckereinstellung und hilft dabei, ein gesundes Körpergewicht zu erreichen und zu halten. Auch regelmäßige aktive Unterbrechung der Zeit, welche im Sitzen verbracht wird, hilft beim BlutzuckerManagement.

4 Psychosoziale Probleme und Auswirkungen der Krankheit auf die Beschäftigung

Für die meisten Diabetespatienten genügen einfache Vorkehrungen zur Erleichterung der Diabeteseinstellung bei der Arbeit, z.B. Pausen, um Blutzucker zu testen, Medikamente oder Essen zu sich zu nehmen oder Insulin zu spritzen à Arbeitgebererlaubnis nötig, die Diabeteshilfsmittel in Reichweite zu halten, um Diabetes zu behandeln, wo immer erforderlich. Dieses ist mit wenig bis gar keinen Kosten verbunden.
Für die meisten Beschäftigungsformen und Therapien gibt es keinen Grund zu der Annahme, dass Betroffene mit ihrer Krankheit sich oder andere Beschäftigte oder die Öffentlichkeit gefährden (Ausnahme: Berufe mit Absturzgefahr, an rotierenden Maschinen oder bei der Personenbeförderung im Verkehrswesen, hier ist besondere Vorsicht geboten, vor allem bei Insulintherapie).
Bei der Beurteilung, ob ein bestimmter Mitarbeiter ein inakzeptables Sicherheitsrisiko darstellt, ist der Beschäftigungskontext wichtig. Der erste Schritt bei der Bewertung von Sicherheitsbedenken besteht darin, festzustellen, ob die evtl. Bedenken angesichts der Arbeitspflichten, die der Einzelne erfüllen muss, begründet sind.
Eine wirklich individualisierte Beurteilung wird durchgeführt, wenn der Diabetes eines Arbeitnehmers im Kontext der wesentlichen Aufgaben seiner Arbeit beurteilt wird.
Da die Diabetes-Therapie eine gute Aufklärung im Umgang mit der Krankheit voraussetzt, ist es darüber hinaus unerlässlich, dass sich jeder am Arbeitsplatz (Personal, Manager, Kollegen) der besonderen Bedürfnisse der Erkrankten bewusst wird.

UmArbeitnehmermit Diabetes weiter zu beschäftigen und sie bei der Arbeit bzw. bei der Wiedereingliederung zu unterstützen, sollten Arbeitgeber einige Maßnahmen veranlassen:

  • Obst, Gemüse, Vollkorngetreideprodukte, fettarme Milchprodukte sowie Lebensmittel und Getränke mit niedrigem Gehalt an freiem Zucker, zugesetztem Salz, gesättigtem Fett und zuckerfreie Lebensmittel in der Kantine anbieten
  • Förderung körperlicher Aktivität
  • Aufrechterhaltung eines angemessenen Lebensstils, der Ernährungsaspekte und körperliche Bewegung umfasst sowie für die Behandlung und Therapie der Krankheit selbst von entscheidender Bedeutung ist
  • Der Arbeitszeitplan sollte flexibel sein, da Diabetiker möglicherweise für medizinische Untersuchungen abwesend sein müssen.
  • Darüber hinaus müssen sie, falls verordnet, auch während der Arbeit eine Selbstbehandlung (Insulinspritzen) durchzuführen und benötigen einen Ort nahe dem Arbeitsplatz dafür.
  • Unterstützung eines freien und offenen Kommunikationsaustausches zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer mit Diabetes auf dem Weg zur Diagnose und danach.
  • Mitarbeiter sollten geschult werden, um akute Krisen/Notfälle von Kollegen mit Diabetes zu bewältigen, wenn ihr Blutzuckerspiegel gefährlich hoch oder gefährlich niedrig wird und sie schlapp machen oder bewusstlos werden.
  • Benommenheit und Bewusstlosigkeit bei Menschen mit Diabetes erfordern dringend ärztliche Hilfe.
    Die meisten Menschen mit Diabetes kennen zwar die Warnzeichen und sind in der Lage, Hilfsmaßnahmen zu ergreifen, viele können sie aber gar nicht (mehr) oder nicht rechtzeitig wahrnehmen. Dann können geschulte Kollegen sehr hilfreich sein.

Weitere Informationen finden Sie unter:

International Diabetes Federation – Europe (IDF) – https://www.idf.org/our-network/regions-members/europe/welcome.html
European Association for the Study of Diabetes (EASD) – https://www.easd.org/

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