EINFÜHRUNG

Die Herausforderung

Führungskräfte sollten nicht nur die Belange des Arbeitsprozesses an sich betrachten, sondern auch die der Arbeitnehmer sowie das Betriebsklima und das psychische und physische Wohlbefinden aller. Im Rahmen dessen sind chronische Erkrankungen eine der größten zunehmenden Herausforderungen unserer Zeit. Durch eine chronische Erkrankung können Fehlzeiten, verminderte Leistungsfähigkeit und damit verbundene höhere Kosten entstehen.

Die Antwort

Das CHRODIS-PLUS-WiedereingliederungsManagement-Programm wurde entwickelt, um Arbeitgeber zu unterstützen, die betriebliche Wiedereingliederung chronisch Erkrankter besser zu ermöglichen. Inhalt des Programms ist die Ermittlung des IstZustandes der Wiedereingliederungskomponenten im Unternehmen sowie die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit des Teams. Ziel ist eine Anpassung des Arbeitsumfeldes, um dadurch eine Verbesserungen der Produktivität und der Arbeitszufriedenheit aller Arbeitnehmer zu ermöglichen.

1. An wen ist dieses WiedereingliederungsManagement-Programm gerichtet?

Dieses Programm richtet sich an Führungskräfte kleiner, mittlerer und großer Unternehmen:
  • Personalabteilung
  • Unternehmensleitungt
  • Arbeitgeber
  • Betriebsärzte
  • Gesundheits- und Arbeitschutzbeauftragte

2.Warum brauchen Führungskräfte dieses WiedereingliederungsManagement-Programm?

Definition: Chronische oder nicht übertragbare Erkrankungen: Im Allgemeinen Krankheiten von langer Dauer und vorwiegend langsamer Progression, die nicht von Person zu Person weitergegeben werden (z.B. Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen)
Ziel des Programms: Erreichen eines normalen Arbeitspensums gut therapierter chronisch§ Kranker Arbeitnehmer durch
  • Optimierung des Arbeitsplatzes
  • Flexible Arbeitszeiten
Die Fähigkeit des Beschäftigungssektors, mit komplexen und chronischen Gesundheitszuständen umzugehen, bringt Arbeitnehmern, Arbeitgebern und der Gesellschaft wichtige Vorteile. z.B. Erfahrungen und Wissen eines chronisch Erkrankten beizubehalten ist entscheidend sowohl für das Unternehmen als auch für die gesamtwirtschaftliche Produktivität eines Landes. Ist der Arbeitsplatz optimiert und z. B. die Arbeitszeit flexibel können gut therapierte chronisch Erkrankte ein normales Arbeitspensum erreichen.

3. Wie wurde dieses WiedereingliederungsManagement-Programm entwickelt?

Dieses Wiedereingliederungs-ManagementProgramm wurde innerhalb von European Joint Action CHRODIS + entwickelt. In diesem 3-JahresProjekt in dem 42 Partner aus 21 europäischen Ländern zusammenarbeiteten wurden die „Best practices“ auf diesem Gebiet zusammengetragen. Das Programm stützt sich auf bewährte Verfahren, welche im Zusammenhang mit dem Betriebs- und GesundheitsManagements etabliert wurden. Das Wiedereingliederungs-ManagementProgramm wurde unter Beratung und Unterstützung einer großen Gruppe aus internationalen Experten entwickelt, darunter Entscheidungsträger, Praktiker, Gewerkschaften, Wissenschaftler, Patientenverbände und andere relevante Interessengruppen und Vertreter verschiedener internationaler Agenturen. Es basiert auf der Arbeit des EU Pathways-Projekts (www.pathways.eu), auf internationalen Berichten und Empfehlungen sowie auf wissenschaftlichen Reviews über vorhandene WiedereingliederungsManagement-Programm [1].

4. What are the expected benefits?

Implementing this training tool in enterprises will have numerous benefits both for employees and the organizations as a whole, concerning inclusion, stay at work and return to work. Work participation will be the broad expected outcome that will benefit all, so that discrimination and stigma are avoided and inclusiveness for all is promoted. The Training tool does not pretend to provide ready-made solutions for every type of employee for every specific kind of workplace. Instead, it claims to generate a new and stimulating discussion and new questions in European workplaces on the issue of employment, chronic diseases, inclusion and work ability, suggesting possible ways of evaluating the present workplace situation and consequent ways of intervention for empowerment. The hope is that the dissemination of the Training Tool will give space to increase consciousness and knowledge on such issues, defeating stigma and discrimination and giving way to the creation of new feasible measures to cope with this challenge. Engaging this Training Tool is the first step towards a change.

4.1 Vorteile für die Arbeitnehmer

Dies kommt Mitarbeitern wie folgt zugute:
  • Erhalt der vollen Erwerbsfähigkeit
  • Aufrechterhaltung einer produktiven Denkweise
  • Einhaltung eines normalen Arbeitszeitplanes
  • Verhinderung von Abhängigkeiten durch geschaffene Barrierefreiheit
  • Gefühl von Sicherheit und Stabilität

4.2 Vorteile für das Unternehmen

Arbeitgeber wiederum profitieren vom Erhalt der Erwerbsfähigkeit ihrer Arbeitnehmer, so dass die Produktivität ihrer Belegschaft damit aufrechterhalten bleibt. Durch die betriebliche Wiedereingliederung von Arbeitnehmern mit chronischen Erkrankungen oder anderen Einschränkungen kann dies außerdem zu einer höheren Motivation, Einsatzbereitschaft und Produktivität aller Arbeitnehmer führen. Und zwar insbesondere durch:
  • Vermeidung von Stigmatisierung am Arbeitsplatz durch Förderung der Wiedereingliederung
  • Reduktion der finanziellen Belastung durch Arbeitsunfälle sowie Krankheitstage
  • Bereitstellung einer proaktiven Ansatzes zur Kostensenkung
  • Durch wiedereingegliederte erfahrene Arbeitnehmer kann Zeit- und Geld beim Rekrutieren und Einarbeiten eingespart werden.

5. Wie ist das Wiedereingliede- rungs-Management- Programm aufgebaut?

Dieses Wiedereingliederungs-Management-Programm für Führungskräfte besteht aus 3 Abschnitten und einem Anhang mit Fallbeispielen und Informationsblätter zu den häufigsten chronischen Erkrankungen am Arbeitsplatz.
ekämpfung von Diskriminierung und Stigmatisierung am Arbeitsplatz durch Einbeziehung aller
Eine Diskriminierung liegt vor, wenn eine Person aufgrund einer bestimmten Eigenschaft, die sie aufweist, weniger günstig behandelt wird, wurde oder würde als eine andere, oder dem Anschein nach neutrale Vorschriften, Kriterien oder Verfahren einer Person gegenüber anderen Personen einen Nachteil verschaffen würden. Stigmatisierung tritt auf, wenn bestimmte Unterschiede (auch imaginäre) hervorgehoben werden und negative Assoziationen erhalten. Aufgrund negativer Wahrnehmungen können Arbeitnehmer mit chronischen Erkrankungen ihren Zustand nicht offenlegen oder nicht nach den erforderlichen Verbesserungen fragen. Die Offenlegung der chronischen Erkrankung ist oft ein sensibles Thema, da dies häufig mit Stigmatisierungen einhergehen kann. Insbesondere im Zusammenhang mit der psychischen Gesundheit kann das Verschweigen dazu führen, dass die Symptome sich verschlechtern und sich dadurch die Krankheitstage erhöhen, zum Nachteil sowohl des Arbeitnehmers als auch des Arbeitgebers.

[1] Lamore K, Dubois T, Rothe U, Leonardi M, Girard I, Manuwald U, Nazarov S, Silvaggi F, Guastafierro E, Scaratti C, Breton T & Foucaud J. Return to Work Interventions for Cancer Survivors: A Systematic Review and a Methodological Critique, Int. J. Environ. Res. Public Health 2019, 16(8), 1343;
– Silvaggi F, Leonardi M, Guastafierro E, Quintas R, Toppo C, Foucaud J, Lamore K, Rothe U & Scaratti C, Chronic Diseases & Employment: An Overview of Existing Training Tools for Employers, International Journal of Environmental Research and Public Health, 2019, 16(5), 781
– Nazarov S, Manuwald U, Leonardi M, Silvaggi F, Foucaud J, Lamore K, Guastafierro E, Scaratti C, Lindström J, Rothe U, Chronic Diseases and Employment: Which Interventions Support the Maintenance of Work and Return to Work among Workers with Chronic Illnesses? A Systematic Review, Int. J. Environ. Res. Public Health 2019, 16(10), 1864

Chronische Erkrankungen und Weiterbeschäftigung/ Einstellung: einige Fakten

FAKT 1: Unter mindestens 4 Angestellten, hat eine Person eine oder mehr gesundheitlichen Beschwerden

Beschäftigung/Anstellung und chronische Erkrankungen: ein sich formendes Problem

Die Anzahl an Patienten, die mit einer oder mehreren chronischen Erkrankungen leben, ist in den letzten Jahrzehnten dramatisch gestiegen, was weitreichende soziale und ökonomische Auswirkungen auf den Beschäftigungssektor hat. Die steigende Häufigkeit von chronischen Kranken hat wahrscheinlich verschiedene Gründe:
  • Durch das Steigen der Lebenserwartung kommt es auch zu einer Steigung der Häufigkeit von altersabhängigen chronischen Erkrankungen.
  • Die Häufigkeit von ungesunden Lebensstilen wie Rauchen, Drogenkonsum, hoher Alkoholkonsum, falscher Ernährung und fehlender sportlicher Aktivität haben unter Europäern zugenommen.
  • Patienten, die bereits an einer chronischen Krankheit leiden haben eine erhöhte Wahrscheinlichkeit, an einer zweiten zu erkranken.
Diese Komorbidität könnte auf dasselbe pathophysiologische Muster zurückzuführen sein, das einige dieser Krankheiten aufweisen, und auch darauf, dass das Leben mit einer chronischen Krankheit Auswirkungen auf den Alltag hat, wodurch Menschen anfälliger für weitere Erkrankungen werden. Menschen mit einer chronischen Erkrankung haben nachweislich schlechtere Einstellungschancen. Das bedeutet zum Beispiel schlechtere Chancen, angestellt zu werden, an Weiterbildungen teilzunehmen und einen Karriereaufstieg oder eine frühe Rente zu erreichen. All diese Faktoren haben das Potential, den Lohn zu reduzieren und das Risiko der Armut zu erhöhen, sowohl für die Patienten als auch für ihre Familien. Am Arbeitsplatz fehlt es an ausreichendem Bewusstsein für Mitarbeiter mit chronischen Erkrankungen über ihr Potenzial weiterzuarbeiten und ihnen zu ermöglichen, ihr praktisches Wissen umzusetzen. Sollte dies der Fall sein besteht des Risiko, dass qualifizierte Arbeitskräfte ungerechtfertigt aus dem Arbeitsleben ausgeschlossen werden.

FAKT 2: Arbeitsplätze spielen eine Schlüsselrolle bei der Genesung der Mitarbeiter

Unterstützung der Angestellten, mit chronischen Erkrankungen weiterzuarbeiten

Wenn Menschen, die von einer chronischen Krankheit betroffen sind, so lange wie möglich arbeiten, kann dies nicht nur eine tägliche Routine darstellen, sondern auch einen Schutzfaktor für die Verbesserung der Lebensqualität und des Wohlbefindens. Wenn der Job keinen direkten Einfluss auf das Fortschreiten der Krankheit hat, können die Menschen sich daher dafür entscheiden, weiter zu arbeiten. Einen integrativen Arbeitsmarkt für alle zu fördern ist von grundlegender Bedeutung, die Rolle des Arbeitsplatzes neu zu gestalten und dabei nicht nur das physische Arbeitsumfeld, sondern auch das soziale Arbeitsumfeld zu berücksichtigen. Bei Menschen mit chronischen Erkrankungen besteht häufig ein Stigma in Bezug auf die Erkrankungen und das mangelnde Bewusstsein, dass Menschen mit chronischen Erkrankungen weiterhin arbeiten können. Chronische Erkrankungen können manchmal auch von den Betroffenen selbst oder/und den Arbeitgebern als Privatsache betrachtet werden.

FAKT 3: Die Planung der Weiterbeschäftigung und Wiedereingliederung qualifizierter Mitarbeiter bietet Vorteile sowohl für den Betroffenen als auch für das Unternehmen

Unterstützung der Rückkehr zur Arbeit nach dem Krankenstand

Wenn Mitarbeiter krank sind, wirkt sich dies häufig auf ihre Fähigkeiten aus, ihre Arbeit auszuführen, insbesondere in Berufen, die recht intensiv sind. Sobald ein Mitarbeiter in der Lage istzu arbeiten, ist es im besten Interesse aller, ihn in irgendeiner Funktion wieder in Arbeit einzugliedern. Dies geschieht häufig durch formalisierte RTW-Programme (Return to Work), die von einem Unternehmen erstellt wurden, um die Wiedereingliederung kranker Mitarbeiter in den Arbeitsplatz nach einer Krankheitsphase zu unterstützen. Ziel ist es, die Mitarbeiter an den Arbeitsplatz zurückzubringen, sobald es medizinisch möglich ist. Ein gut geführtes RTWProgramm bietet sowohl Arbeitgebern als auch ihren Arbeitnehmern Vorteile. Für Arbeitgeber bietet ein RTWProgramm die folgenden Vorteile: erfahrene Mitarbeiter binden, Fluktuation reduzieren, bessere Beziehungen zu Mitarbeitern ermöglichen, Produktivität verbessern, Kosten senken. Die Rückkehr zur Arbeit erfordert eine sorgfältige Koordination und Berücksichtigung der Bedürfnisse der verschiedenen Akteure. Es ist in der Tat ein komplexer Prozess, bei dem viele Akteure eine relevante Rolle spielen, nicht nur die Betroffenen.

Unterstützung von Arbeitnehmern mit chronischen Krankheiten und angemessene Vorkehrungen

Die Unterstützung von Arbeitnehmern mit chronischen Krankheiten erfordert eine Reihe von Anpassungen oder angemessene Vorkehrungen, die im Arbeitsumfeld gemacht werden. Es sollten angemessene Maßnahmen umgesetzt werden, damit qualifizierte Mitarbeiter mit einer chronischen Krankheit die wesentlichen Arbeitsinhalte durchführen können, um die Umsetzung und Ausübung der Menschenrechte zu gewährleisten. Dies können beispielsweise Änderungen oder Anpassungen der physischen Arbeitsumgebung sein, z. B. der Zugang zu Speisesälen, Besprechungen, gesellschaftlichen Veranstaltungen usw. Andere erfordern möglicherweise eine Schulung der Kollegen in Bezug auf die Situation. Einige der Änderungen können im Voraus geplant werden, während andere das Ergebnis von nachträglichen Verhandlungen sind, die immer auf ein bestimmtes Problem zurückzuführen sind, das es der Person erschwert, die gegebene Aufgabe auszuführen (weitere Einzelheiten siehe Abschnitt 3.4). Ein Ansatz, der sowohl auf die Umgebung als auch auf die Personen einwirken kann, ermöglicht bessere Ergebnisse für alle.